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Rohrbögen nach DIN 2605: Bauarten, Radien und Werkstoffe

28. Juni 2026 · Lesezeit ca. 6 Min.

Rohrbögen lenken die Leitung um, ohne den Durchfluss unnötig zu stören. DIN 2605 ist heute weitgehend in EN 10253 aufgegangen – die Auswahlkriterien sind aber dieselben geblieben: Winkel, Radius, Wanddicke, Fertigungsart und Werkstoff.

Winkel und Radius

Am häufigsten sind Bögen mit 90° und 45°. Der Biegeradius wird als Vielfaches des Nenndurchmessers angegeben: Achtung bei der Bezeichnung: Nach EN 10253-2 (Bauart 3 nach DIN 2605) hat ein „3D“-Bogen den Radius R ≈ 1,5 × D, ein „5D“-Bogen R ≈ 2,5 × D. Ein Radius von 3 × D ist ein Sonderradius, den ASME „3D bend“ nennt. Je größer der Radius, desto geringer der Druckverlust und desto sanfter die Strömungsumlenkung.

Rohrbögen nach DIN 2605: Bauarten, Radien und Werkstoffe: Winkel und Radius
RadiusBauraumDruckverlustTypischer Einsatz
1 Dsehr kompakthochEnge Einbausituationen, untergeordnete Leitungen
1,5 DkompaktmittelDer Standard im Anlagenbau
2,5 D / 3 DmittelgeringDampf, höhere Geschwindigkeiten
5 Dgroßsehr geringAbrasive Medien, Feststofftransport, Messstrecken

Vor und hinter Messgeräten sind gerade Beruhigungsstrecken einzuhalten – ein enger Bogen direkt vor dem Durchflussmesser verfälscht die Messung.

Nahtlos oder geschweißt

Nahtlose Bögen sind bei hohen Drücken und Temperaturen erste Wahl – es gibt keine Schweißnaht, die geprüft, dokumentiert und im Betrieb überwacht werden müsste. Im Kessel- und Kraftwerksbau sind sie in aller Regel gesetzt.

Geschweißte Bögen sind wirtschaftlicher und für viele Standardanwendungen völlig ausreichend – Wasser, Druckluft, Lüftung, Niederdruck. Die Längsnaht wird nach Anforderung mit Ultraschall oder Röntgen geprüft.

Zu beachten: Beim Biegen wird die Wand am Außenbogen dünner, am Innenbogen dicker. Bei druckführenden Leitungen muss die Restwanddicke am Außenbogen die Auslegung noch erfüllen – deshalb gibt es Bögen in Normal- und Starkwand.

Anschlussarten

Rohrbögen nach DIN 2605: Bauarten, Radien und Werkstoffe: Anschlussarten
AusführungVerbindungEinsatz
Schweißbogenstumpf geschweißt, Enden gefastDer Regelfall im Rohrleitungsbau
GewindefittingInnen- oder AußengewindeKleine Nennweiten, Nachrüstung, Gewinderohr
Pressfittinggepresst, mit DichtringGebäudetechnik, schnelle Montage
Nut-/RillverbindungRollnut mit SchnellkupplungBrandschutz, demontierbare Leitungen

Werkstoffe

Der Bogen muss zum Rohr passen – im Werkstoff wie in der Wanddicke. Ein 16Mo3-Rohr mit einem unlegierten Bogen zu verbinden, führt an der Naht zu ungleichem Verhalten bei Temperatur.

Wenn es der Normbogen nicht tut

Nicht jede Umlenkung lässt sich mit einem Katalogbogen lösen. Bei beengten Einbausituationen, ungewöhnlichen Winkeln oder sehr großen Radien wird das Rohr gebogen statt gefittet. Sonderradien liefern wir nach Zeichnung – das erspart Schweißnähte, reduziert den Druckverlust weiter und verkürzt die Montagezeit auf der Baustelle.

Bei sehr großen Nennweiten oder Einzelstücken kommen außerdem Segmentbögen infrage: aus Rohrabschnitten zusammengeschweißte Bögen, die dort wirtschaftlich sind, wo gezogene Bögen unverhältnismäßig teuer oder gar nicht lieferbar wären. Für druckführende Leitungen ist dabei die Schweißnahtprüfung mit zu planen.

Beides gehört zu unseren Sonderteilen nach Zeichnung – ab Einzelstück, auf Wunsch mit Abnahmeprüfzeugnis 3.1 oder 3.2.

Was sonst noch zum Formteil gehört

Passend zum Bogen liefern wir Reduzierstücke (konzentrisch und exzentrisch), T-Stücke und Kappen aus einer Hand – nach EN 10253-1 bis 4 sowie ASME B16.9 und B16.11. Wer alles aus einer Bestellung bezieht, vermeidet das klassische Problem, dass auf der Baustelle ein Formteil in falscher Wanddicke liegt.

Mehr zu Abmessungen und Kennzahlen in DN, PN und Schedule, zum Nachweis in Abnahmeprüfzeugnis 3.1 oder Werkszeugnis 2.2. Das gesamte Programm finden Sie unter Flansche, Fittings & Verbindung.

Häufige Fragen

Was bedeutet 3D-Bogen?

Nach EN 10253-2 einen Radius von etwa 1,5 × Außendurchmesser (Bauart 3 nach DIN 2605); 2D steht für R ≈ 1 × D, 5D für R ≈ 2,5 × D. Im ASME-Sprachgebrauch bedeutet „3D bend“ dagegen R = 3 × D – im Zweifel den Radius in mm angeben.

Nahtlos oder geschweißt – was ist besser?

Nahtlose Bögen sind bei hohen Drücken und Temperaturen erste Wahl, weil keine Schweißnaht geprüft und überwacht werden muss. Geschweißte Bögen sind wirtschaftlicher und für Wasser, Druckluft und Niederdruck ausreichend.

Warum gibt es Bögen in Normal- und Starkwand?

Beim Biegen wird die Wand am Außenbogen dünner. Bei druckführenden Leitungen muss die verbleibende Wanddicke die Auslegung noch erfüllen, deshalb wird bei höherer Beanspruchung Starkwand eingesetzt.

Welcher Werkstoff für welchen Einsatz?

P235GH und P265GH für Wasser und allgemeine Leitungen, 16Mo3 bis 10CrMo9-10 und P91 für Dampf und Kessel, 1.4301 bis 1.4571 für Chemie und Lebensmittel, Duplex 1.4462 für chloridhaltige Medien.

Gibt es Bögen mit Sonderradius?

Ja. Wo der Normbogen nicht passt, liefern wir Rohrbögen mit Sonderradien nach Zeichnung. Bei großen Nennweiten oder Einzelstücken kommen außerdem Segmentbögen infrage.

Brauchen Sie genau diese Teile?

Güte, Maß, Druckstufe und Menge genügen – Sie erhalten Ihr Angebot in der Regel noch am selben Tag, auf Wunsch mit Abnahmeprüfzeugnis 3.1.

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